Hintergrund zum Thema

Helen Keller

Helen Keller (1880-1968), die weltberühmteste Taubblinde mit einem Grossvater, der einst aus dem Zürcher Oberland in die USA auswanderte, ist ein Glücksfall. Die im US-Bundesstaat Alabama geborene Helen hat erst mit knapp zwei Jahren Augenlicht und Gehör verloren. 1887 hat sie von der „Perkins School for the Blind“ in Anne Sullivan eine Lehrerin bekommen, die sie fast ein Leben lang begleitet hat. Dieselbe Schule in Boston, USA, hat 1959 Ursula und Anita Utzinger zusammengebracht – welch erstaunliche Koinzidenz. Auch dies ist ein Glücksfall – für unser Projekt.

Dadurch, dass sich Helen Keller in den ersten zwei Lebensjahren ein Fundament an Sprach- und Bildvorstellung erwerben konnte, hat sie in der Folge mit Mitteln, die speziell für Taubblinde entwickelt wurden, von „Teacher“ sprechen und vor allem auch sich schriftlich ausdrücken gelernt. Das unterscheidet sie grundsätzlich von Ursula. Ursula war vermutlich taubblind von Geburt an und wurde auf Grund ihres Schicksals, als sofort nach der Geburt von ihrer Mutter verlassenes Kind, während sieben Jahren im damaligen Heimalltag systematisch vernachlässigt.

Bei Ursula ist die Kommunikationsfähigkeit höchst eingeschränkt, auch wenn sich Anita Utzinger später darum bemüht hat. Ursula kann uns nicht mitteilen, was sie wahrnimmt. Sie kann uns höchstens zu spüren geben, was sie empfindet, etwa Bejahung und Ablehnung. Ganz anders bei Helen Keller. Sie berichtet uns in ihren Büchern und Briefen aus dem Universum der Stille und Dunkelheit. Sie kann uns sagen, was in Ursula vorgehen könnte – vielleicht und vielleicht auch nicht. Solange unsere Neugier aufrecht bleibt, solange vermag eine Beziehung zum ‚Rätsel’ Ursula zu tragen. Als Stütze können uns Sätze von Helen Keller dienen:

„Viele Leute, die vollkommene Augen haben, sind blind in ihren Wahrnehmungen. Viele Leute, die vollkommene Ohren haben, sind taub für die Regungen der Seele. Gerade diese Leute aber sind es, die sich erkühnen, den Visionen anderer Menschen Schranken vorschreiben zu wollen – anderer Menschen, denen zwar ein Sinn fehlt oder zwei, die aber Willen, Seele, Leiden-schaft und Phantasie besitzen. Glaube ist ein Gaukelspiel, wenn er uns nicht lehrt, dass wir uns eine Welt schaffen können, die unaussprechlich viel vollständiger und schöner ist als die wirkliche Welt. Und auch ich darf mir meine bessere Welt erschaffen, denn auch ich bin ein Kind Gottes und habe ein Teilchen vom Geiste geerbt, der alle Welt schuf.“

„Winterregen ist rauh, duftlos, trübe. Frühlingsregen ist frisch, duftig, voll belebender Wirkung.“

„Die Sinne unterstützen und stärken sich gegenseitig in solchem Masse, dass ich nicht sicher bin, ob Gefühl oder Geruch mir mehr von der Welt erzählt.“

„Ich gebe zu, es sind in einer sichtbaren Welt unzählige Wunder, von denen ich keine Ahnung habe. Desgleichen aber, mein selbstbewusster Kritikus, gibt es Myriaden von Empfindungen, die ich wahrnehme, und von denen du dir nicht träumen lässest.“

(Alle Zitate aus: „Meine Welt“, 1902)

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